Der Heilige Geist ist es überhaupt erst, der Kirche möglich macht. Ohne Ihn, der Herr ist und lebendig macht, empfinden Menschen Kirche nur als Institution, besteht das christliche Leben scheinbar vor allem aus Regeln, die dazu dienen, möglichst alles zu verbieten, was Spaß zu machen scheint. Ohne den Heiligen Geist ist christliches Leben schlechthin relativ anstrengend und fad. Gemäß einer preußischen Parole: "Du bist nicht auf der Welt um glücklich zu sein, sondern um deine Pflicht zu tun." - absurde Verkürzung.
Die erste und wichtigste Wirkung des Geistes ist die Kirche, die Er schafft. Aus Wasser (=Taufe) und Heiligem Geist geboren, ist sie (der Leib Christi) und durch Ihn mit ihrem Haupt, Christus, verbunden. Dabei darf jetzt Kirche nicht einfach mit der römisch-katholischen Kirche gleichgesetzt werden. Überall da, wo Menschen sich in Gemeinschaft durch die Taufe auf diesen Hl. Geist einlassen, entsteht kirchliches Leben. Freilich ist dieses gefährdeter, wenn es nicht im Traditionsstrom der Fülle der Gnade Gottes fließt. Aber auch das bleibt ein Weg, auf dem Menschen zu Heil finden können.
Kirche ist aber auch nicht nur dieser Bereich, sondern umfaßt auch alle, die den Weg des Vertrauens auf und der Hingabe an Gott (= Glaube) zuende gegangen sind. Für alle also, die durch ihr Lebenszeugnis für sich angenommen haben, daß Christus für sie gestorben ist, seit Beginn der Schöpfung bis zu ihrem Ende. Das sind die Heiligen. Unser Sprachgebrauch weicht vom biblischen insofern ab, als dort die "Heiligen" meist zuerst die Gemeindemitglieder meint und erst in zweiter Linie die, deren Weg in Gott schon vollendet ist. Ausnahme hierbei Offenbarung an Johannes. Hier wird das Wort Heilige eher im heutigen Sinn benutzt. In jedem Fall stehen wir mit ihnen in Gebetsgemeinschaft vor Gott. Und so wie hier Menschen für uns beten, uns die Hände auf legen, können das auch die Heiligen. Dies ist der Sinn der Heiligenverehrung. Anrufung und Verehrung zur Gebetsgemeinschaft vor Gott, dem allein Anbetung und Ehre gebühren.