Wer ist Jesus? Wahrer Mensch und wahrer Gott! Aber wie? Etwas mehr als wir, weniger aber als der Vater? Oder halb Mensch, halb Gott? oder adoptiert, oder nur ein guter Mensch, vollkommener Lehrer, oder wie? All dies waren Antworten, die gegeben wurden und die Jesus falsch verstehen. Wer diskutierte diese Fragen?
Die christliche Botschaft breitete sich in den Jahrzehnten nach der Auferstehung des Herrn vor allem im griechischsprachigen Raum aus. Das waren mehr oder weniger alle Gebiete von Griechenland weg über Kleinasien, die Städte im ehemaligen Persien bis nach China hinein, nach Indien, Ägypten und bis nach Libyen hin. Gerade in Ägypten bekehrten sich ganze Synagogen. Da aber auch der lateinische Bereich - obgleich militärischer Sieger - die Kultur der Griechen nachahmte, war es verständlich, daß die Hauptprobleme beim Weitersagen der Botschaft durch das Aufeinandertreffen des griechischen Denkens auf die Hebräische Denkweise entstanden.
Zwar sprachen die Missionare größtenteils griechisch, doch sie dachten natürlich auch weiterhin hebräisch-aramäisch. Durch die zunehmende Entfremdung zwischen Juden und (Heiden)Christen und die Exkommunikation der Christen durch die pharisäische Linie des Judentums um die erste Jahrhundertwende herum, blieb es an den Griechen fast allein hängen, das zu durchdringen, was sie von den jüdischen Missionaren empfangen hatten. Wobei man hier gleich anmerken muß, daß die Griechen, in dem hier verwendeten Sprachgebrauch nicht die Einwohner Griechenlands waren, sondern die griechischsprachige Schicht in den Ländern, die nach dem Zerfall des Riesenreiches entstanden waren, das nach den Alexanderfeldzügen entstanden war. Viele außerhalb der Städte sprachen auch weiterhin die Landessprache. Und je nach Gegend verachteten oder vergötterten sie die "überlegene" griechische Kultur.
Die Alexanderfeldzüge gegen das Perserreich hatten den Orient nämlich schwer erschüttert. Alexander war ja nicht gegen ein marodes zusammenbrechendes Reich angetreten, sondern gegen einen starken, zahlenmäßig eigentlich weit überlegenen Gegner. Überallhin (Eckpunkte: Griechenland, Afganistan, indische Grenze, Ägypten) folgten dem Troß des Alexanderheeres Kolonisten, die griechische Lebensweise, Sprache, Kultur und Denkweise mit ansiedelten. In vielen Gegenden buhlte die Oberschicht geradezu danach, diese zu übernehmen und sich zu graecisieren. Durch gewollte Vermischung entstand die Kultur des Hellenismus. Ein Konglomerat mit den unterschiedlichsten Wurzeln und einer scheinbar verbindenen Sprache und Kultur, die aber den Keim der Spaltung schon in sich trug. Das Buch Daniel entstand in dieser Zeit aufbrechenden Aufbegehrens der Juden gegen die Vorherrschaft des Hellenismus unter Antiochus Epiphanes aber noch vor der Sieg der Makkabäer also zwischen 167 und 164 vC. Wer etwas vom Lebensgefühl der Juden dieser Zeit mitbekommen möchte, kann sich darin und in den Makkabäerbüchern einen Eindruck verschaffen. Aber nicht nur die Juden, auch z.B. die Ägypter hatte prinzipiell etwas gegen die herrschenden Griechen. Das muß man immer mithören, wenn es im Osten zu Auseinandersetzungen über Glaubensfragen kommt; denn damals wie heute hat man nicht zu selten statt einer Irrlehre eine andere Sprache und Kultur exkommuniziert, wenn man über Glaubensdinge stritt - frei nach dem Prinzip: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.