Pastoralseite

Sakramente der Gottverbundenheit - die Ehe

Bibelstellen, die für den Trauungsgottesdienst passen findet ihr hier Vergleiche dazu auch Ehe (Das ist der dogmatische Teil.)

Ehe im natürlichen Sinne und im Alten Testament

Dieses Sakrament nimmt eine Sonderstellung unter den Sakramenten ein. Es wird als einziges nicht vom bevollmächtigten Priester, Diakon oder Bischof gespendet, sondern durch Gottes Gnade spenden es sich die sich trauenden Gläubigen selber. Wichtig ist wohl zu erwähnen, dass nicht die Hochzeit, sondern die Ehe das Sakrament ist, ein Leben lang.

Die Ehe geht zurück auf die natürliche Form des Zusammenlebens. Dies hat diverse Ausformungen gehabt. Die Bibel berichtet von verschiedenen Ehemodellen. Die Patriarchen hatten meist mehrere Frauen. Zum Beispiel Jakob alias "Israel" hatte zwei Hauptfrauen und zwei Nebenfrauen. Die Könige Israels so viele, dass sie sich wohl schwerlich deren Namen merken konnten. Salomo hatte durch seine Heiratspolitik 700 Hauptfrauen und 300 Nebenfrauen. Ich glaube kaum, dass er zu jeder eine sehr persönliche Beziehung hatte. In einigen Völkern gibt es auch die Polyandrie, meist dort, wo die Ressourcen begrenzt sind und diese Art der Ehe damit auch eine Geburtenbegrenzung bedeutet. Wie man sieht gibt es in der Bibel aufgrund der gesellschaftlichen Notwendigkeiten unterschiedliche Ansätze. In vorchristlicher Zeit war die Ehe meistens ein weltlich Ding. Die Polygamie der Väterzeit war zum Beispiel eine Reaktion auf die Schwierigkeiten des Lebens als Nomaden im Bereich der Halbwüsten. Durch Kämpfe mit rivalisierenden Gruppen und wilde Tiere stärkte die Kopfzahl waffentüchtiger Männer, die Überlebenschancen der Sippe, war aber auch verantwortlich für eine ständige Schieflage im Zahlenverhältnis Mann/Frau. Die Witwen mußten aber auch versorgt werden und das geschah am einfachsten durch Heirat. In der Königszeit war die Ehe dann vor allem ein Mittel der Herrscher, um Verbindungen mit benachbarten Reichen aufzubauen. Wie man an der schieren Zahl von Salomos Frauen sehen kann, hatte das mit einer Partnerschaft nichts zu tun. Außerdem waren es die vielen, verschiedenen heidnischen Frauen, die Salomo zu faulen Kompromissen in seiner Religionspolitik verleitet hatten entgegen dem Willen Gottes. Zur Zeit Jesu war aber in Israel schon die Monogamie üblich.

Die Bibel verurteilt zwar nicht, was die Patriarchen gemacht haben, weil es zu dieser Zeit notwendig war, und kritisierte die Könige deswegen nur sehr verhalten, aber sie favorisiert natürlich ein anderes Ehemodell. Wir lesen davon im 2. Schöpfungsbericht.

Genesis 220 Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht. 21 Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch. 22 Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. 23 Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen. 24 Darum verläßt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. 25 Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.

In 220 fällt ein Wort, das man richtig einordnen muß "Hilfe". Dieses Wort in der Bibel überwiegend dann gebraucht, wenn Gott dem Menschen zu Hilfe kommt. Gott schafft also dem Mann keine Haushaltshilfe, sondern Gott schafft aus dem Menschen ein zweigeschlechtliches Wesen, dass gerufen ist, in der Liebe eins zu werden. So eine Liebe aber ist in einer polygamen Ehe nicht möglich. Dies eins werden ist nicht nur sexuell gemeint. In der Bibel ist das sexuelle Einswerden ja nur der Höhepunkt des ganzpersonalen Einswerdens und darum auch nicht vor der Ehe dran. Das sieht man auch am letzten Satz. Der "von der Erde genommene" (Adam) und seine "die vom Mann Genommene" (Frau) waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. Wenn wir heute Nacktheit hören, denken wir zuerst an Erotik. Zur Zeit der Bibel war ein zweiter Aspekt mindestens genauso präsent: Schutzlosigkeit, der andere sieht all meine Blößen. Aber sie schämten sich nicht voreinander, weil sie noch nichts voreinander zu verbergen hatten. Sie mußten sich nicht vorm Anderen verstellen, um begehrenswerter oder besser dazustehen. Dieses Spiel beginnt erst mit dem Sündenfall.

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