Pastoralseite

Sakramente – Anker der Gegenwart Gottes

Das Wort sacramentum ist die lateinische Übersetzung des Griechischen mystérion. Dieser Begriff (deutsch übersetzt: "Geheimnis") taucht im Neuen Testament 27 mal auf davon 20 mal bei Paulus. Er benutzt es vor allem da, wo er vom verborgenen Heilsplan Gottes redet, der nun für alle Welt in Jesus Christus offenbar und in Seiner heiligen Kirche – dem Ursakrament – geschichtlich wirksam geworden ist. Kirchengeschichtlich bedeutsam hat als erster Tertullian (+220) das Wort sacramentum für die "Taufe" verwendet in einem Verständnis, das dem profanen Gebrauch entnommen war als Fahneneid. Der Christ läßt an sich die Gnade Gottes bewußt geschehen, und verpflichtet sich - damit der Gnade Gottes antwortend - als Bürger des Reiches Gottes auf die "Verfassung der Kirche" (das Evangelium) und eine entsprechende Lebensform - salopp formuliert. Es wird sich langsam herausbilden, das in der Kirche ein Sakrament etwas ist, das von Jesus eingesetzt ist und durch ein äußeres Zeichen die Gnade mitteilt, die es im Zeichen und im begleitenden Wort aussagt. Beispiel. Jesus sagt: Macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie im Namen das Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Matthäus Ende). Damit gibt Jesus den Auftrag das zu tun, für alle und zwar mittels der Taufe (untertauchen, übergießen) und durch die trinitarische (dreifaltige) Formel.
Um tiefer zu begreifen, was ein Sakrament ist, muss man sich ein paar andere Wörter vor Augen führen. Es sind dies: Zeichen – Symbol – Realsymbol. Wieso? Das gesprochene Wort und davon abgeleitet die Schrift sind das Hauptmittel, wodurch Menschen sich verständigen. Nun kann man bestimmte Informationen zu Zeichen zusammenzufassen, Verkehrszeichen zum Beispiel. Zeichen sind frei festgesetzt. Ihre Bedeutung muß gelernt werden. Symbole enthalten in ihrer Natur schon etwas von dem, was dargestellt werden soll. Eine Blume macht Freude; darum drücke ich Freude oder mein Mitgefühl aus, wenn ich jemanden mit diesem Gefühlsgemüse beglücke. Als ich als Kind meiner Mutter einmal ein Stück Seife zum Geburtstag geschenkt habe, da hat sie schon etwas irritiert geschaut, weil halt Seife nicht das klassische Symbol dafür ist, wenn ich sagen möchte: Du, ich mag dich. Das Wort Symbol selbst kommt vom griechischen Symbolon. Beim Abschied zerbrach der Gastgeber ein kleines Tontäfelchen oder einen kleinen Würfel und gab dem Geschäftspartner einen Teil. Kam ein Bekannter desselben wieder in diese Gegend, konnte er mittels des Bruchstückes der Scheibe in den Vertrag eintreten, weil es nur zum gegenteiligen Bruchstück paßte. Das Teil verwies auf das Ganze. Wenn wir Kreuze tragen, verweisen wir damit auf das ganze Heilsgeschehen. Das Realsymbol geht darüber noch hinaus. Jemand, der die Vollmacht hat, legt fest, dass etwas, das man in dieser oder jener Form sagt und durch eine entsprechende symbolische Handlung ausdrückt auch wirklich geschieht. Ich gehe zur Kasse, lege ein Produkt des Ladens hin, wir tauschen das Geld bzw den Kassenbon aus – damit ist das Produkt mein Eigentum, und es bedeutet es nicht nur. Wenn der, der die Vollmacht hat so etwas zu tun, Gott – oder von Ihm beauftragt die heilige Kirche – ist, nennen wir dieses Realsymbol "Sakrament". Wenn wir Menschen auf den Vater, Sohn und Heiligen Geist taufen, dann sind sie Kinder Gottes. Es symbolisiert dies nicht nur. Wenn Mann und Frau als Symbol für die Liebe Gottes zu Seiner Kirche nach ihrem Ja-Wort in der Kirche und der nächtlichen Nahkommunikation durchs Leben gehen, dann sind sie eins, die Eheschlussformel symbolisiert die Einheit nicht nur. Wenn ich Dir als Priester in der Beichte im Namen Gottes vergeben habe, dann ist dir vergeben. Es ist wie ein altes äthiopisches Wort schon richtig sagt, auch mit dem Zuspruch so: Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen. Gott hat uns in den Sakramenten die feste Gewissheit gegeben, dass Er für uns da ist, als Vater, als Heiland und Erneuerer – und zwar unüberbietbar. Die folgende Gruppierung ist nicht ganz klassisch, aber eine gute Hilfe, um zu verstehen, wie die Sakramente zusammenhängen.

Sakramente der Eingliederung in den Leib Christi
1. Taufe (Mat 28, 19),
2. Kommunion (Lk 22, 14-20),
3. Firmung (Apg 8, 14-17; Mk 1, 9-11)

Sakramente der Wiederherstellung
4. Krankensalbung (Mk 6, 13; Jak 5, 14f) und
5. Versöhnung (Joh 20, 23)

Sakramente der Bevollmächtigung (bzw Gottverbundenheit)
Ehe (Gen 1, 27f; 2, 24; Mal 2, 14; Mk 10, 2-9) und
Weihe (Mt 10, 1; Apg 1, 21f)