In der Tradition glauben katholische Christen dem Wort Jesu in der Schrift vertrauend, dass das geschieht, was Jesus sagt, nämlich: Das aus dem Brot Sein Fleisch und aus dem Wein Sein Blut wird und dies nicht nur symbolisiert wird, und das dieses über Brot und Wein gesprochene Wort nicht leer zu Gott zurückkehrt, sondern bleibend bewirkt, wozu Gott es ausgesandt hat (Jes 55,9-11), weil Gott treu ist. Wie kann man nun ansatzweise verstehen, was da geschieht (natürlich vorbehaltlich von Jes 55,9)? Dazu hat das bisher genialste Konzept Thomas von Aquin erdacht. Die meisten bisherigen Erklärungsversuche setzen ihn eigentlich innerlich stillschweigend voraus (eine Ausnahme bildet hier vielleicht die Transsymbolisation, die bei ihrem Konzept vom Kolosserhymnus ausgeht, wo alte Schöpfung bleibend in neue umgewandelt wird, und wir - die Kirche - mit). Das Problem besteht ja darin, dass man erklären muß, wie einerseits Brot und Wein wirklich Leib und Blut Christi sein sollen, andererseits soll es ja keine Menschenfresserei oder mythische Menschenfresserei sein.
Im praktischen Vollzug ist es einfach, man sieht vor der Wandlung Brot und Wein, und auch nach der Wandlung haben nur wenige die Gabe, etwas anderes zu sehen. Thomas nahm den Ausgangspunkt seiner Überlegungen bei Aristoteles und seiner Substanz Akzidens Lehre. Damit hatte Aristoteles versucht zu beschreiben, was "werden" ist, wie also etwas identisch bleiben kann, wenn es sich verändert. Aristoteles kam etwas vereinfacht auf die Idee, die Identität einer Sache, eines Menschen etc mit der Substanz zu verbinden. Egal ob das Brot frisch oder alt ist, solange die Brotsubstanz nicht zerfällt oder zerstört wird, kann man es als Brot erkennen. Die Akzidentien (= Kategorien) Geruch, Farbe, Aussehen etc verändern sich, die Substanz bleibt. In der Wandlung so Thomas geschieht, aufgrund göttlicher Gnade, nun etwas einmaliges: die Akzidenzien bleiben erhalten, aber die Substanz transformiert sich wird in den Leib und das Blut Jesus gewandelt. Da die Akzidenzien gleich bleiben, und nur das Wesen gewandelt wird, ist es auch keine Menschenfresserei, obgleich es wirklich Leib und Blut Jesu ist. Der Nachteil dieser genialen Erklärungsmethode liegt auf der Hand. Er begünstigt die Gefahr, im Mahlgeschehen, die Wandlung isolieren zu wollen, und erhöht damit die Gefahr eines Gnadenmaterialismus'. Aber das Mißverständnis ist ja bekanntlich die Grundform menschlicher Kommunikation.
Ich vermute, die Menge der Katholiken dürfte nicht wissen, wie Transsubstantiation als Verstehenskonzept eigentlich funktioniert. Das intellektuelle Begreifen ist aber auch für das Seelenheil völlig irrelevant. Durch das gemeinsame Mahl wird nun in uns der Leib Christi erbaut, den wir durch unsere Sünde und Zerstreuung in der Welt immer wieder zu verlieren drohen. Wir werden tiefer in die Gemeinschaft (=Communio) des mystischen Leibes Jesu (=Kirche) hineingeführt, wenn wir mittels dieser Danksagungsfeier (=Eucharistiefeier) des einen vollständigen Opfers Jesu gedenken (im Sinne: vergegenwärtigen; also nicht nur erinnern), das Er für uns von Gründonnerstag bis zum Ostersonntag dargebracht hat.
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