In dieser Form haben auch die Christen in den ersten drei vier Jahrhunderten geheiratet. Ab 400 ließ man die Ehe dann vor (räumlich gemeint) der Kirche segnen. Ab dem 8. Jahrhundert galt die Ehe als Sakrament. Was führte dazu? Und was bedeutet das?
In den ersten Jahrhunderten gab es auch viele Mischehen. Christen heirateten Heiden. Das gibt es auch heute. Ehen mit Nichtchristen sind gültige Ehen, aber kein Sakrament. Nach und nach wurde klar, dass wenn man als Christ lebt, alle Bereiche unter die Herrschaft Christi gehören und dazu gehört dann eben auch die Ehe. Davon spricht zwar schon der heilige Paulus des Öfteren, aber von der Verkündigung bis in das Herz einer Kultur braucht es eine Weile (ein paar Jahrhunderte). Es ist nicht damit getan, dass die Ehe die heterosexuelle Verbindung von Mann und Frau ist, die tiefste Partnerschaft und Offenheit für Kinder mit sich bringen soll, sondern sie muß auch eine Bedeutung haben für das Leben als Christ. Dafür sind nun eine ganze Reihe von Bibelstellen wichtig geworden. Ich erwähne sie jetzt nicht der Reihe nach und auch nicht ihn ihrer geschichtlichen Entwicklung, sondern greife einfach einmal zwei Bibelstellen heraus, die schon zeigen, was ich meine.
In der ersten Schöpfungserzählung heißt es: Genesis 1, 26 Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. 27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. 28 Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.
Der Mensch ist wie die ganze Schöpfung als Abbild Gottes geschaffen. Das ist auch das Ziel jeder christlichen Ehe. Gott schuf sie nicht als Mann und Frau, die sich in temporären Lebensabschnittspartnerschaften mit Schwerpunkttreue treffen, sondern in einer Liebe, die die ewige Liebe Gottes widerspiegelt, einer fruchtbaren Liebe, die die ihr anvertraute Erde beherrscht, also pflegt wie einen Garten, sie nicht ausbeutet und zu einer immer stärkeren Harmonie mit Gott führt. Der Mensch soll also in der Ehe diese unverbrüchliche innertrinitarische Liebe Gottes spiegeln, andererseits aber auch die Verbindung von Gott zu seinem neuen Israel, der Kirche. Paulus bringt die Liebe Christi zur Kirche ebenfalls mit der Ehe in Verbindung. In den etwas zu Unrecht in Verruf gekommenen Haustafeln schreibt er in Epheser 5, 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, und weiter in Epheser 5, 31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. 32 Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Um uns zu retten, "verläßt" der Sohn die vollkommene Gemeinschaft in Gott, um durch seine Menschwerdung, seine Passion und Auferstehung "ein Fleisch" mit der Kirche zu werden. Und hier haben wir auch die Verbindung zum Sakrament. So wie die Liebe Gottes unaufhebbar ist, soll die Liebe in der christlichen Ehe unaufhebbar sein. Darum sagt auch Jesu in sadduzäischer Tradition Markus 10 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entläßt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt und einen anderen heiratet.
In der Ehe aber muß es weiter darum gehen, einander kennenzulernen, einander zu umwerben und gemeinsam zu wachsen. Nichts bleibt wie es am Anfang war und die größten Probleme ergeben sich, wenn "alles so bleiben soll wie am Anfang" und die Ehe stumm wird. Ehe heißt in ständigem Gespräch miteinander bleiben, wie Gott in sich in steter Kommunikation ist.